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Kleine Geschichten - 9

 
 
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Benji

Benji begegnete mir zum ersten mal im August 1988 in San Foca – Apulien / Süditalien. Mein Mann und der Cousin meiner Mutter – Mario – waren zusammen angeln gefahren, irgendwo am Strand in der Nähe von San Foca.

Google Foto

 

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Ihnen fiel der kleine Streuner am Strand auf. Er wurde dort von Kindern gejagt. Er gesellte sich zu den beiden Männern und als sie zurück zur Wohnung wollten, lockte Mario ihn ins Auto. Er überlegte es sich dann doch wieder anders und wollte den Hund aus dem Auto locken.  
Wenn der Hund sich etwas vom Auto entfernt hatte, sprintete Mario los und saß fast auf dem Hund, denn der war schneller wieder im Auto als er. Also fuhr er mit nach San Foca.

 

 

     

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Dort begegnete ich ihm – wie schon gesagt – zum ersten Mal. Wir spielten miteinander. Mario sagte dann, er wolle ihn über Nacht in der Wohnung halten und am anderen Morgen wieder freilassen. Wir fuhren zur Tante meiner Mutter und übernachteten dort. Als wir am nächsten Mittag wieder nach San Foca kamen, lief Benji – wie wir ihn schließlich tauften – draußen vor dem Haus herum.

 

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Er begrüßte uns wie alte Bekannte und kam wie selbstverständlich wieder mit ins Haus. Dort verbrachte er mit uns fast den gesamten Nachmittag. Als ich ihn heraus lies, damit er seinen Geschäften nachgehen konnte, nahm er auch gleich die Beine in die Hand und weg war er. Meine Großtante meinte nur, den sähen wir wohl nicht wieder. Mein Mann und ich gingen zum Bummeln in den Ort und als wir zurückkamen, sagte meine Großtante: „Ratet mal, wer wieder da ist!“ Als wir weg waren, kam er zurück und da die Haustür auf stand, kam er natürlich wieder herein. Mein Mann und ich entschlossen uns daraufhin, ihn mit nach Deutschland zu nehmen.

 

 

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Aus diesem Grund mussten wir einige bürokratische Hürden nehmen. Als erstes gingen wir mit Benji zum Tierarzt. Dort wurde er untersucht und bekam die Tollwut-Impfung. Es war dort etwas anders als zu Hause. Der Tierarzt verschrieb den Tollwut-Impfstoff, wir mussten zur Apotheke und anschließend wieder zum Tierarzt, der dann die Spritze verabreichte. Zum Tierarzt hatte uns die Tochter der Cousine meiner Mutter begleitet. Sie kann kein deutsch, aber sie wusste worum es ging und regelte alles mit dem Tierarzt. Sie teilte dem Arzt mit, dass wir den Hund mit nach Deutschland nehmen wollten. Sie vermittelte mir die Antwort des Tierarztes mit Händen und Füßen.

 

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  Als nächstes mussten wir zum Amtstierarzt. Es war eine Wahnsinnssuche, bis wir ihn gefunden hatten, obwohl wir einheimische Unterstützung hatten. Von ihm brauchten wir ein Gesundheitszeugnis. Den Amtstierarzt interessierte der Hund überhaupt nicht. Er wollte lediglich meinen Pass und wir mussten Geld bei der Post überweisen. Mit dem Quittungsbeleg der Überweisung wieder zum Amtstierarzt und wir erhielten das Dokument. Als wir an der Post ankamen, mussten wir in einer langen Schlange anstehen. Als wir an der Reihe waren, dachte ich, jetzt ist es geschafft. Denkste! Wir bekamen an diesem Schalter lediglich den Vordruck für die Überweisung. Also, am nächsten Schalter wieder anstellen.

 

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Bei meiner Großtante musste der Hund während der Nacht in der Garage schlafen. Es gefiel ihm überhaupt nicht. Kurz bevor wir nach Hause fuhren, fing er nachts an zu jaulen. Es war herzzerreißend. Da ich Angst hatte, dass sich die Nachbarn aufregen, schlief ich im Auto auf der Rückbank. Der Hund lag im hinteren Fußraum und war ruhig. Nur die letzte Nacht schlief ich im Bett, da ich für die Rückreise fit sein musste.

 

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Die Rückreise mit Hund

Mitte September – an einem Donnerstag – ging es für uns Richtung Heimat und für Benji ins Neuland. Zwei Tage waren wir unterwegs. Er fuhr im Beifahrer-Fußraum mit. Wir über- nachteten in Clausen (Oberitalien, nähe Bozen). Der Hund durfte mit ins Hotel, jedoch nicht ins Restaurant. Mein Mann entschied sich dann, nicht essen zu gehen. Er aß dann ein paar Kuchen, die wir noch mitgenommen hatte. Er wollte den Hund in der fremden Umgebung nicht alleine lassen, da schon so viel neues auf ihn einstürmte.

Freitagabend kamen wir dann zu Hause an. Am Samstag fuhr ich nach Dülmen und kaufte für unseren neuen Mitbewohner ein: ein Körbchen, Leine, Halsband, was zum Spielen usw. Benji fühlte sich gleich wie zu Hause. Wir hatten extra italienische Kommandos gelernt und fingen nun an ihn langsam umzugewöhnen. Wenn kein Kommando mehr ging, eines hatten wir immer, das klappte – nämlich „lecker, lecker!“

 

 

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Anfangs hatten wir noch einen weiteren Hausgenossen, nämlich unseren Vogel. Ein Nymphensittich namens „Tweety“. Wir mussten sehr aufpassen, da "Tweety" immer gerne zu Fuß spazieren ging. Das reizte nun Benji ungemein. Also hieß das immer ein Auge auf den Hund und den Vogel zu haben.

Einmal erwischte er ihn doch. Er hielt ihn lediglich zwischen den Pfoten und der Vogel quiekte sehr heftig. Ich kam noch rechtzeitig, aber der Vogel war für den Rest des Tages geschafft. Im Dezember 1988 verstarb "Tweety" im hohen Alter dann und Benji war fortan unserer einziges Haustier.

 

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Im November 1988 fuhren wir mit Hund und Vogel für eine Woche an die Nordsee, nach Dorum-Neufeld. Es war ein wunderschöner Urlaub und wir machten lange Spaziergänge mit Benji. Ihm gefielen diese auch sehr gut. Wir sind dann noch häufiger dorthin gefahren. Dann haben wir allerdings die Ferienhäuser in Bad Bederkesa entdeckt und sind fortan dorthin gefahren.

 

links - Bad Bederkesa

an der Nordsee

 

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Ein weiteres Urlaubsziel ist für uns der Bayrische Wald. Die erste Reise dorthin führte uns zum Luftkurort Freyung. Dort gefiel mir die Unterkunft überhaupt nicht. Wir hatten ein Ferienhaus gemietet und wir hatten das Gefühl, mit Hund haben wir das letzte Haus gekriegt. Es war sehr ungepflegt. Auch Abends gingen wir ungern mit dem Hund vor die Tür, denn ohne Taschenlampe ging es gar nicht. Es waren dort sehr viele Nacktschnecken und Kröten unterwegs. Die Landschaft gefiel uns jedoch sehr.

 

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Der Rachel

 

 

rechts neben Regensburg liegt die Stadt "Regen"

 

 Bei einem Ausflug stießen wir auf das Waldferiendorf Regen. Die Häuser waren sehr schön und gefielen uns sofort. Wir sind dann die nächsten Jahre jedes Jahr immer wieder zum Waldferiendorf gefahren. Benji gefiel es dort auch sehr gut und wir haben viele Wanderungen unternommen. Wir waren auf dem Arber (zu Fuß!!!), auf dem Lusen, Rachel, haben schöne Touren unternommen rund um die Trinkwasser-Talsperre Frauenau, am Schwellhäusl, usw.

 

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Der Arber

 

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Benji war ein ganz vorsichtiger. War der Weg sehr eng und er konnte nicht so ohne weiteres an uns vorbei, dann blieb er hinter uns. Unser jetziger Hund – Basti – ist da ganz anders. Basti rennt an einem vorbei und es stört ihn auch nicht, wenn er uns fast über den Haufen rennt.

 

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Als wir Benji etwa 2 Jahre hatten, bekam er Anfälle. Zunächst wussten wir nicht, was er hatte. Die Tierärztin meinte, es wäre der Rücken. Wenn wir bei ihr ankamen, war der Anfall immer vorbei. Ostern 1990 dann hatte er einen sehr heftigen Anfall. Er krampfte sehr stark und quiekte dabei sehr laut. Mit wurde Angst und Bang, ich dachte sein letztes Stündlein habe geschlagen. Ich rief bei der Tierärztin in Dülmen an, ob sie da wäre und wir mit unserem Hund kommen könnten.

Wir hatten zu der Zeit Besuch aus dem Brandenburgischen. Wir ließen unseren Besuch alleine und machten uns schleunigst auf den Weg zur Ärztin. Dort erhielt er wieder ein Spritze und der Anfall war vorbei. Mein Mann schaffte die Strecke von Reken nach Dülmen in 20 Minuten, sonst länger.

 

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   An diesem Tag hatten wir einen Tisch bei einem Italiener in Borken bestellt und wollten dort mit unserem Besuch essen gehen. Ich wollte meinen Hund jetzt nicht alleine lassen und da wir nicht wussten, ob man den Hund mit ins Restaurant nehmen kann, rief ich an und fragte nach. Man teilte mir mit, ich könne den Hund mitbringen. Also fuhren wir nach Borken.

Als wir dort mit Hund ankamen, meinte die Wirtin, dass gehe aber nicht, der Hund kann nicht mit herein. Ich fiel aus allen Wolken. Ich sagte, dass ich doch deshalb extra vorher angerufen und man mir erlaubt hätte, den Hund mitzubringen. Man hatte mich wohl nicht verstanden, aber wir durften mit Hund bleiben, wenn er denn ruhig wäre. Nach seinem Anfall war mein Hund total erschossen.

 

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Oft bekam er einen Anfall, wenn er vorher nass geworden war und auskühlte. Deshalb dachten wir auch, dass mit dem Rücken macht Sinn. Um Anfälle zu vermeiden, haben wir ihn dann jedes Mal trocken gefönt, wenn nass wurde.

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Ein anderes Mal waren wir am Wochenende beim Spaziergang, als er seinen Anfall bekam. Mein Mann lief voraus, um das Auto zu holen und ich trug den Hund. Er wurde mit jedem Meter schwerer. Mein Mann wollte zu unserer Tierärztin fahren, aber ich sagte ihm, wir wüssten ja nicht, ob sie zu Hause ist. Also nach Hochmoor, in die Tierklinik, da ist immer einer da. Wir teilten dem Arzt mit, dass er vermutlich Probleme mit dem Rücken hat und er bekam wieder eine Spritze. Der Anfall war mittlerweile vorbei.

Am nächsten Tag mussten wir wieder hin und diesmal war der Chefarzt der Kleintierpraxis, Dr. Wilken, da. Er untersuchte unseren Hund und meinte, er glaube nicht, dass es der Rücken sei. Für den Rücken käme er zu schnell wieder auf die Beine. Er vermutete, dass es sich um einen epileptischen Anfall handelte und wir sollten – nach Möglichkeit – einmal einen Anfall filmen. Er fragte auch, ob der Hund während dieser Anfälle bewusstlos sei. Ich verneinte dieses, da ich der festen Überzeugung war, dass er dieses nicht war. Doch später erfuhr ich, dass er doch bewusstlos war. Man stellt dieses fest, weil er dann keinen Lidreflex (Auge) hat.

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Wir haben dann einen Anfall im Urlaub in Dänemark gefilmt. Mein hatte sich extra wegen Benji einen Camcorder gekauft. Wir kamen aber nicht mehr dazu ihn dem Arzt vorzuführen. Wir mussten mit ihm zum Impfen. Unsere Haustierärztin war in Urlaub und die Vertretung verabreichte die Impfung. Als wir das Sprechzimmer verlassen wollten, bekam er einen Anfall und sie konnte ihn direkt untersuchen und sie bestätigte den Verdacht von Dr. Wilken. Es handelte sich um einen epileptischen Anfall. ‚Fortan bekam er morgens und abends Tabletten und wir bekamen die Anfälle damit gut in den Griff. Er bekam deutlich weniger Anfälle und vor allen Dingen waren sie nicht mehr so schwer.

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Benji war ein Hund der bei der Verteilung von Krankheiten immer als erster hier schrie. Er hatte Magen- und Darmkatarrh, Magenschleimhautentzündung, Epilepsie, Infektionen, Hodentumor, etc. Wir waren Stammkunde beim Tierarzt. Zum Schluss hatte er ein stark vergrößertes Herz und bekam zu den Epilepsie-Tabletten noch Herz- und Entwässerungstabletten.

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Im Dezember 1998 – im Alter von 11 Jahren – mussten wir ihn leider einschläfern lassen. Es ging nicht mehr und wir wollten ihn nicht noch mehr leiden lassen. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, aber es musste sein. Sonntags hatten wir einen Termin in der Tierklinik Hochmoor zur Untersuchung. Er wurde geröntgt und ein Blutbild gemacht. Daraufhin wurde mir gesagt, die Prognose sähe schlecht aus. Das Herz habe sich gegenüber dem Vorjahr stark vergrößert und zu über 90 % habe er einen Gefäßtumor. Die Ärztin meinte, man könne versuchen mit Tabletten noch etwas zu erreichen. Aber am Montagabend wurde sein Zustand schlechter, so dass wir ihn dann am Dienstag erlösten. Er wird immer in meinem Herzen bleiben. Er hat mir sehr viel gegeben.

 

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© Text / Bilder / Entwurf - Silvia Nikulski - März 2009

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Wenn Sie Spaß am lesen hatten, dann freuen Sie sich auf die nächste News Geschichte über einen selbstbewussten Kater im Mai 2009. Im  "News & Archiv"  finden Sie alle Geschichten schnell wieder.

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Es gibt eine kleine Geschichten über "Benji´s" Vorgänger zu lesen

 in  "News 6"  ist das "Plocki von Wittel" und sein Nachfolger in "News 1"  heißt "Basti"

 

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