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Kleine Geschichten - 13

 
 
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Friesenpferde-Liebhaber-Krankheit

 

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Angefangen hat alles irgendwie schon vor knapp zwanzig Jahren

Meine Reitkünste waren nicht die Besten. Ich ritt einmal die Woche ein Schulpferd im Unterricht. Damit ich mir dies leisten konnte mistete ich Boxen aus. Meine Eltern waren nicht wirklich begeistert davon, das ich unbedingt reiten wollte. Zum damaligen Zeitpunkt war ich zu dem Leistungsschwimmerin und sie meinten ein intensives Hobby würde reichen. Sie würden mich mit dem Schwimmen weiterhin unterstützen, aber nicht das Reiten. Also ging´s regelmäßig an die Mistgabel. 

Meine Freundin ritt schon seid Jahren. Hatte ein Pflegepferd, was sie fast täglich reiten konnte. Da ich reiterlich noch nicht so weit war, kam dies nicht für mich in Frage. Aber es gab bei uns am Stall  einen wunderschönen Hannoveraner Schimmel. Die Besitzerin kam abends spät zum Reiten. Ansonsten stand er nur im Stall. Gegen eine Pflegerin, die ihren „Sternchen“ putzte und verwöhnte hatte sie nichts ein zu wenden. So kam es, das ich täglich zum Stall fuhr um ihn seine Streicheleinheiten zu kommen zu lassen. Das machte ich ein paar Jahre. Nie kam mir der Gedanke dieses Pferd zu reiten. „Sternchen“ zu pflegen reichte mir voll und ganz. Seine Besitzerin trennte sich von ihrem Mann und stellte ihn um in einen anderen Stall in einem anderen Ort. Das war´s! So schnell kam es, dass ich ohne Pflegepferd da stand.

Zu dem Zeitpunkt war ich dabei meine Ausbildung zur Altenpflegerin in Essen (NRW, Stadt der Equitana) zu machen. Fast die ganze Woche verbrachte ich in Essen. Nur selten kam ich noch zum Reiten. Das Schwimmen hatte aufgegeben, da ich mit über zwanzig Jahren zu den Senioren gehörte. Aber irgendetwas wollte ich sportlich machen.

 

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An einem Wochenende besuchte ich meine Freundin am Stall. Mittlerweile hatte sie sich ein eigenes Pferd gekauft. Etwas neidisch war ich schon! Aber ich gönnte es ihr von Herzen. Sie erzählte begeistert von ihren Fortschritten mit ihm. Auf ihre Frage, wie es mit mir aus sieht, mit dem Reiten, erklärte ich ihr, das ich schon Lust hätte. Ich wollte aber kein Schulpferd mehr reiten. Auch war es ja schwierig, da ich ja nicht so viel in Haltern am See (NRW) war.

Und da kam das erste Mal ein Friese in mein Leben. Calvin! Einen Friesen gab es schon bei uns am Stall. Er hatte mich nie interessiert. Eine Pflegerin hatte er schon. Sein Besitzer war so einer, der sich das kaufte was er sah. So kam dann Friese Nr. 2 zu uns. Calvin wurde in Holland auf einer Auktion ersteigert. Eine Pflegerin wurde noch gesucht. O Gott, musste es ein Friese sein!!!!!! Na gut, man kann es ja mal probieren. Meine Freundin organisierte ein Treffen mit dem Besitzer. Wir verabredeten uns. Er war damit einverstanden, das ich nicht täglich zum Reiten kam. Das durfte ich nämlich auch. Wie gut bzw. schlecht ich ritt, war ihm egal. Wie so vieles!!! Aber das stellte sich erst später raus.

 

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Calvin war ein Schatz! Liebe auf den ersten Blick! Er hatte wenig Behang. Auch seine Mähne war für einen Friesen recht kurz. Im Umgang war er nicht zu übertreffen. Anhänglich wie ein Hund. Ich konnte schon nach kurzer Zeit mit ihm Spazieren gehen ohne ihn an Halfter und Strick zu nehmen. Er folgte mir ohne von meiner Seite zu weichen. Ihn zu reiten im Trab war wunderschön. Bequem wie ein Sofa. Leider konnte ich ihm nie das Galoppieren richtig bei bringen. Er verstand es einfach nicht. Zumindest nicht in der Halle. Auf dem Stoppelfeld jedoch wohl. Zum Spaß meiner Vereinsmitglieder. Aber auch das konnte meine große Liebe zu ihm nichts anhaben.

Ab und zu wurden die Beiden auch von dem Besitzer gefahren. Ohne Absprachen mit uns zu treffen spannte er an. Da kam man dann zum Stall und die Box war leer. War ich auf der Stallgasse und er wollte anspannen, ließ sich Calvin von ihm nicht mehr das Kopfstück auf machen. Immer wieder riss er den Kopf hoch. Der Besitzer kapitulierte und bat mich dies zu übernehmen. Später versuchte er es gar nicht mehr und gab mir sofort das Kopfstück in die Hand. Bei mir hielt Calvin immer lieb den Kopf hin. Leider wusste ich was dann kam. Ohne Rücksicht auf die Pferde fuhr er los. Stunden lang. Am nächsten Tag hatten die Beiden oft so einen heftigen Muskelkater, das an Reiten nicht zu denken war. Leichte Bewegung im Spazieren gehen war dann nur möglich. Am Schlimmsten war es, als er mit ihnen Stundenlang im Kummetgeschirr gefahren ist. Calvin war nicht in der Lage den Kopf zu heben. Das Futter hab ich auf den Boden geschüttet. Das müssten sie haben können, war die Aussage des Besitzers. Ich pflegte nur Calvin zu Liebe weiter. Der Besitzer wurde mir immer unsympathischer.

 

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Am Montag, am 1. Mai 1993 war es, das eine Fotoserie der beiden Friesen gemacht wurde. Von den Beiden alleine auf der Wiese und mit Reiter. Wir zogen uns Turnierkleidung an und los ging´s ab in Wald und Flur. Die Hobbyfotografin, Gitta Gesing, (ab aufs Fahrrad und hinterher)  Ob auf dem Stoppelfeld, auf einem Waldhügel oder durch einen Teich, alles wurde auf Bildern fest gehalten. Die Bilder sollten in ihrem Friesenkalender 1995 erscheinen. Der `94er war da schon voll mit Fotos und in Druck. Man war ich stolz. Ich in einem öffentlichen Kalender! Toll!

 

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Meine Ausbildung hatte ich mittlerweile beendet. Ich fand eine Stelle in Haltern. Langsam kam der Wunsch hoch ein eigenes Pferd zu haben. Gerne hätte ich auch Turniere geritten. Das war mit Calvin nicht möglich. Hin und her, aber Calvin nicht mehr zu pflegen kam überhaupt nicht in Frage. Das konnte ich nicht übers Herz bringen. Mir war klar, das ich keinen Friesen kaufen wollte. Weil, Turniere und Friesen war zu diesem Zeitpunkt für mich nicht denkbar. Über meinen Reitlehrer kaufte ich schließlich eine vierjährige Hannoveranerstute. "Echelle". So versorgte ich täglich zwei Pferde. Die Nr. 1 blieb aber immer Calvin.

Sein Besitzer nahm beide Friesen irgendwann unangemeldet mit auf einen anderen Hof. Ich telefonierte mit ihm. Beide würden auf jeden Fall wieder kommen. Ich glaubte ihm. Allerdings wie lange Calvin in dem anderen Stall bleiben sollte wusste er nicht bzw. sagte er mir nicht. So kam es, das Calvin nicht mehr zurück kam. Sein Besitzer weder Decken, die ich zum Waschen mit nach Hause genommen hatte, noch andere Dinge abholte. Nur Sattel und Trense hatte er schon zu Anfang mit genommen. Irgendwann hab ich nicht mehr hinterher telefoniert. Calvin sah ich nicht mehr wieder!!! Heute weiß ich, das er verkauft wurde und immer noch bei seinem neuen Besitzer lebt. Er bekommt bei ihnen sein Gnadenbrot. Mittlerweile ist er weit über zwanzig Jahre. Es geht ihm dem Alter entsprechend gut. Alles Gute mein alter Herr!!!!!

 

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Jahre lang ritt ich begeistert Turniere. Nicht immer hoch erfolgreich, aber ich war zufrieden. Echelle war immer mit Begeisterung dabei. Oft mit zu viel. Sie kannte mit der Zeit sämtliche Dressuren auswendig. Wenn es ans galoppieren ging bockte sie durchs Viereck, so das die Zuschauer echt was geboten bekamen. Zum Leidwesen meiner Wertnoten. Irgendwann war Schluss. Ich wollte ihr diesen psychischen Stress nicht mehr antun. Einmal die Woche fuhr ich zum Unterricht, damit Echelle und ich weiter kamen. Aber nicht fürs Turnier, sondern einfach für mich. Für meine Zufriedenheit.

 

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Vor 14 Jahren lernte ich meinen Mann kennen. Auf die Frage was mein Hobby wäre, erzählte ich ihm, das ich ein Pferd hätte. Begeistert war er nicht. Sein verstorbener Vater hatte früher mit Pferden gehandelt. Nach seinem Tod wurde alles verkauft und Mike, mein Mann, hatte ab da nichts mehr mit Pferden zu tun. Wollte er auch nicht. Mich störte es überhaupt nicht. Da ich nicht wollte das er mit zum Pferd kam. Es war ja mein Hobby. 

 

Mike ergriff irgendwann doch das Pferdefieber. Ich gab ihm etwas Reitunterricht. Das brauchte er aber gar nicht, fürs Ausreiten mit dem Mann meiner Freundin reichte es. So kam es, das er regelmäßig Ausritt. Dann wurde er Jugendwart im Reitverein Haltern (NRW). So viel Spaß hatte er an der Sache.

 

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Eines Tages kam er zur mir und erzählte, er wolle ein Fohlen kaufen. Völlig erstaunt über diese Idee kam dann der nächste Schock. Ein Friesenfohlen. Meine Begeisterung hielt sich echt in Grenzen. Zu viel Zeit lag zwischen Calvin und der schönen Erinnerung an ihn und dem Fohlen. Er hatte es sich auch schon aus gesucht. Jährlich gibt es auf dem Prickingshof in Haltern-Syhten ein bis zwei Friesenfohlen aus eigener Zucht. Auf dem Hof gab es zwei Stuten und einen eigenen nicht gekörten Hengst. Der Hengst wurde nicht gekört auf Grund seines Sterns und enormen Stockmaßes. Er hatte bestimmt ein Stockmaß von 1,80 m. Aber eine Augenweide! Ein Bild von einem Friesen! In dem Jahr gab es zwei Fohlen. Das Hengstfohlen war schon verkauft. So hatte mein Mann sich für die Stute entschieden. Na ja, süß war sie ja, aber das war es dann auch.

In den ersten Wochen hatte sie sich ein Ohr halb abgerissen. Hatte einen ganz schlimmen Husten, der ihr über Wochen mit hohem Fieber zu schaffen machte. Aber das überstand sie ohne Schäden zurück zu behalten. Mit sechs Monaten wurde sie abgesetzt. Unter gebracht wurde sie zusammen mit ihrem Halbbruder auf dem Nachbarhof. Meine Echelle stellte ich ebenso um, damit beide Pferde an einem Hof stehen, um Zeit zu sparen. Toll fand ich das nicht. Jahrelang war ich immer auf der Vereinsanlage geritten. Jetzt waren wir auf einem Privathof. Das ist schon mal was anderes. Heute würde ich für kein Geld der Welt von dieser Anlage weg wollen!!!! Wir gaben unserem Friesen den Namen „Warzawa“. Nach einer polnischen Liebesgeschichte. So erzählten damalige Arbeitskollegen von meinem Mann. Später erfuhren was „Warzawa“ auch noch heißt. Dazu später!!

 

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Doch Warzawa (Wasi) machte uns in ihren jungen Jahren viel Sorgen! Als sie1,5 Jahre alt war, war sie mit drei anderen Stuten auf der Sommerwiese. Wir fuhren ein mal am Tag zur Wiese um nach zu sehen, ob alles in Ordnung ist. An diesem Tag fuhr ich nach meinem Spätdienst um 21 Uhr zur Wiese. Das hatte ich nie gemacht. Warum ich dies an diesem Tag tat, kann ich bis heute nicht erklären. Ich kam zur Wiese wo alle vier auf einer Stelle am Zaun standen. Ich rief Warzawa. Sie kam auf mich zu. Lief ganz ruhig. Aber irgendwie schwankte sie. Äußerlich war ihr nichts anzusehen. Auch die anderen Pferde zeigten keine Auffälligkeiten. Ich rief meinen Mann an, der auch da erst Feierabend hatte. Ebenso den Tierarzt und unseren Bauern. Schnell war mein Mann und unser Bauer Herr Haverkamp an der Wiese. Mittlerweile konnte Warzawa fast nicht mehr stehen. Wir hatten sie von den anderen Pferden getrennt und sie von der Wiese geholt. Unser Hund wuselte ständig uns zwischen den Beinen. Wir wollten sie in den Kofferraum sperren. Als Herr Haverkamp und ich den Hund einsperrten und durch die Windschutzscheibe des Autos nach vorne zu Warzawa und Mike sahen, konnten wir nur noch sehen, wie sie sich hinlegte. Ich werde nie diesen Augenblick vergessen, wie sie da lag den Kopf in den Schoss meines Mannes. Ich dachte, das war´s. Wir glaubten alle drei, sie wäre vergiftet worden. Endlich kam der Tierarzt. Sie war aber nicht vergiftet, sondern muss auf der Wiese gestürzt sein und hatte sich eine Verletzung im Halswirbelbereich zu gezogen. Das hatte zur Folge, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination).

Unser Tierarzt konnte uns keine gute Prognose geben. Sollte Warzawa nicht mehr zum Stehen kommen und nur noch liegen, gab es keine Rettung. Wir scheuchten sie gemeinsam hoch und stellten sie zurück auf die Wiese. Zum Stall hätten wir sie weder zu Fuß noch im Anhänger bringen können. Also musste sie draußen bleiben. Warzawa war aber noch nicht ganz auf der Wiese schon lag sie wieder. Wir holten Decken, deckten sie zu und fuhren nach Hause, wo wir nicht in den Schlaf kamen. Unruhig drehten wir uns von links nach rechts. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus. Als ich zur Wiese kam stand unser Mädchen wieder. Sie eierte über die Wiese. Beide Hinterbeine schliff sie über den Boden. Die Hinterhand im Ganzen war komplett instabil. Ein Bild des Elends!!! Aber sie lag nicht mehr! An was anderes konnte ich nicht denken! Viele unserer Reitkollegen rieten uns ab, in so ein Pferd Geld zu investieren. „Das wird eh nichts mehr. Spart euch das Geld!“  Das waren nur einige Aussagen die wir uns anhören mussten.

  Aber wir hofften weiter!!! Tag für Tag! Sie bekam täglich Vitamin B zur Nervenanregung gespritzt. Mehr konnten wir nicht tun. Immer wieder fragten wir unseren Tierarzt, was wir tun sollen. Es blieb ja wenn, nur das Einschläfern. Aber wer will das schon? Ein Gedanke den wir nicht fassen konnten. Heute verdankt Warzawa unserem Tierarzt ihr Leben. Er sagte immer, einschläfern macht ihr nur einmal. Gebt dem Pferd die Chance. Lasst sie am besten immer Laufen. Stallt sie auch nicht im Winter ein. Für das Geld, was ihr jetzt in das Pferd steckt, bekommt ihr kein Neues in dem Alter. Und wir gaben ihr die Chance! Unser Bauer ermöglichte uns sie im Winter in eine Offenstallhaltung unterzubringen. Ihr Zustand wurde stabil. Nur im Sommer, wenn es richtig heiß war, konnte man sehen, das sie ab und zu die Hinterbeine über den Boden zog. Ob wir sie je reiten können, konnte uns das erste halbe Jahr nach dem Unfall keiner sagen. Wir überlegten, sie einfach als Beistellpferd zu verschenken. So mussten wir sie zumindest nicht einschläfern. Schnell waren Leute gefunden, die mit Begeisterung unseren Friesen nehmen wollten. Tag und Uhrzeit des Abholens stand fest. Einen Tag vorher sagten wir den Termin ab. Wir brachten es nicht übers Herz. Sie sollte bei uns bleiben!

Mit der Zeit gewöhnten wir uns an den Gedanken eventuell nur ein Kutschpferd zu haben. Da dabei die Gefahr, das etwas passiert geringer war. Vor der Kutsche könnte sie ohne Zwang laufen. Ohne das wir sie dazu brachten durchs Genick zugehen. Unser Tierarzt sagte, das wäre durch aus möglich, wenn sich alles so weiter entwickelt.

 

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Aber leider wuchs Warzawa zu schnell. Ihre Sehnen der Fesseln an den Hinterbeinen wuchsen nicht schnell genug mit. So stand sie eines Tages mit leicht angewinkelten Gelenken auf dem Paddock. Was nun? Jetzt mussten wir sie doch erstmal in den Stall stellen. Beide Hinterbeine wurden eingegipst. Das verwächst sich, war der Kommentar unseres Tierarztes. Wir sollten uns keine Sorgen machen. Nur wie sollten man sich bei so einem Pferd keine Sorgen machen? Unser Tierarzt behielt recht. Die Hinterbeine waren nach kurzer Zeit wieder völlig normal. Und wir konnten Warzawa wieder rausstellen in ihre gewohnte Freiheit.

Was sollte jetzt noch passieren? "Die war in jungen Jahren so oft krank, die kriegt nichts mehr", ermutigte uns unser Tierarzt. Er sollte für´s erste Recht behalten.

 

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Warzawa wuchs ohne weitere nennenswerte Erkrankungen glücklich im Sommer auf der Wiese, im Winter in einer Offenstallhaltung auf. Sie sollte sich ja viel bewegen Aufgrund der Ataxie. Als Warzawa vier Jahre wurde haben wir ganz langsam, in ständiger Absprache mit unserem Tierarzt, an gefangen Muskelaufbau in Form von longieren und schleppen fürs Einfahren trainiert. Sie war dabei ein solcher Goldschatz! Das was wir von ihr wollten hat sie ohne Angst und Gegenwehr gemacht. Von Anfang an vertraute sie uns blind. Sie hatte ja nie schlechte Erfahrungen in ihrem Leben gemacht.

Dann kam der Tag, wo Warzawa das erste Mal in ihrem Leben eine Kutsche ziehen sollte. Man waren wir aufgeregt!! Sollte alles klappen? Schafft sie das mit der Ataxie?

Mit Hilfe eines erfahrenen Kutschers wurde es in Angriff genommen. Das Geschirr eingestellt und meine „Wasi“ vor die Kutsche gespannt. Und was macht sie? Als wenn sie in ihrem Leben nichts anderes getan hätte. Zog sie die Kutsche vom Hof. An jeder Seite von ihr liefen erst noch zwei Helfer mit je einer Longe fest gemacht an Warzaw´s Kopfstück, falls sie doch auf dumme Gedanken kommen sollte. Schnell konnte dieses wieder ab gemacht werden. Mein Mann und unsere Helfer fuhren eine kleine Runde mit ihr. Ich fuhr nicht mit. Ich muss zu geben, zum damaligen Zeitpunkt hatte ich keine Lust daran. Außerdem fühlte ich mich als Beifahrer so was von aus geliefert, das mein Mann sich in der ersten Zeit immer einen anderen suchen musste.

 

Regelmäßig fuhr er jetzt mit unserem Friesen. Sie machte sich wirklich gut. Von der Ataxie war nichts zu sehen. Die Hinterhand zeigte keine Unsicherheit. Keine Lähmungserscheinungen. Unsere Hoffnung wuchs Warzawa auch  mal reiten zu können! Aber da wollten wir auf Nr. sicher gehen. Ihren ersten Sommer in Arbeit ließen wir sie nur in der Kutsche laufen. Somit baute sie stark an Muskeln auf ohne sie im Rücken und Halswirbelsäule zu belasten.

Als dann der Herbst kam kontrollierte unser Tierarzt wieder einmal den Zustand unserer Stute. Das Ergebnis war für uns unfassbar! Keine Anzeichen mehr von Ataxie! Rückwärts gehen: Kein Symptom! Kleine Kreise drehen: Kein Symptom! Mensch waren wir glücklich!!!!!!!!!

 

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Jetzt war meine Zeit gekommen! Ich gewöhnte sie an einen Sattel. Auch hier vertraute sie mir völlig! Innerhalb kurzer Zeit konnte ich sie an reiten. Aber nicht wie viele Andere. Nein! Bei uns ging es beim ersten  Mal sofort ins Gelände. Mir war klar, dass hier nichts passiert. Ein Friese halt. Mein Mann nahm meine Echelle und los ging es. Eine kleine Runde. Am langen Zügel lief sie völlig entspannt durch Wald und Flur. Abends wurde die Flasche Sekt geköpft. So Happy waren wir!!

Warzawa wurde immer mehr das Ebenbild ihres Vaters. Sie wuchs und wuchs. Mit fünf Jahren war sie ca. 172 cm groß. Wie groß will sie denn noch werden? Man hätte ja damit rechnen müssen, da ja der Vater so groß war. Aber da sie ja eine Stute ist dachten wir nicht daran, dass sie ein Ebenbild ihres Vaters wird. Mehr Hengsttyp! Nicht das uns das nicht gefallen würde, nur mein Mann meinte auf einmal, einspännig fahren würde ihm nicht mehr reichen. Er wollte einen zweiten Friesen, als Passer für Warzawa. Nur woher bekommt man einen so großen Friesen? Ich war da erstmal entspannt. So einen bekommt der sowie so nicht. Also war für mich klar. Es gibt keinen zweiten Friesen. Weit gefehlt! Mein Mann setzte sich mit dem Züchter von Warzawa in Verbindung. Auch da war ich noch entspannt. Mir war kein weiteres Fohlen bekannt von dem großen Friesenhengst. Da eigentlich alle Fohlen immer sofort verkauft wurden. Der Hengst selber war nicht mehr in dem Besitz des Züchters. Er hatte ihn verkauft. Es gab zum Schluss Probleme mit den Fohlen. Es sind ihm einige Fohlen eingegangen, da die Fohlen die Biestmilch nicht vertragen haben und teilweise mit der Flasche auf gezogen werden mussten oder es gar nicht geschafft haben. Dies hing wohl mit der Kombination Hengst und Stute zusammen. Doch es gab noch eine anderthalb Jahre alte Stute. Na super! Mit einem Friesen hatte ich mich angefreundet, aber ein Zweiter. Vor allem, wer sollte das bezahlen? Auch dafür hatte mein Mann eine Lösung. Die Stute wollte er zusammen mit einem Kollegen kaufen. Sie wollten sich das Pferd teilen. Mein Mann zum Kutsche fahren, der andere zum Reiten. Da war jede Gegenwehr umsonst! Die Stute wurde gekauft.

 

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Ich arbeitete weiter mit meiner Echelle. Wir waren ein völlig ein gespieltes Team! Doch auch sie machte mir viele Sorgen! Immer wieder lahmte sie vorne rechts. Die erste Diagnose: Hufgelenksentzündung. Die Ursache wurde erstmal nicht gesucht. Kaum war sie  gesund, lahmte sie schon wieder. Nach dem dritten Mal fuhr ich zu einer anderen Klinik. Ein Blick des Arztes und schon wusste er was los war. „Der Stute wächst der Huf nach oben. Der Huf ist zu eng“. Sie bekam einen Spezialbeschlag, der den Huf breiter werden ließ. Damit war die Ursache behoben. Einige Monate hatte wir Ruhe. Dann kam das nächste Problem.

Es fing an das Echelle so bald es kalt wurde, sich einlaufen musste. Sie war zu Beginn beim Reiten immer sehr steif. Na ja, ich dachte mir nichts dabei. Ein Pferd altert eben schneller, eins langsamer. Bei meinem Glück fiel ich unter die erste Kategorie. Doch es wurde im Winter immer schlimmer. Es war so, das ich auch, wenn nur kurz reite, sie Kreuzverschlag (Entzündung der Rückenmuskulatur) bekam. Obwohl sie voll im Training war. Ich rief meinen Tierarzt an. Echelle  bekam eine Spritze. Dies wiederholte sich zum Schluss alle sechs Wochen. Mein Tierarzt meinte, wenn es wieder soweit ist, rufst du mich einfach an. Das war nicht, das was ich hören wollte. Da eine Freundin von mir in Warendorf Tierärztin ist, fragte ich sie um Rat. Sie wollte eine Blutanalyse machen. Erst fand sie nichts. Doch sie ließ nicht locker. Ihre Kollegen und sie konnten sich keinen Reim auf dieses Krankheitsbild machen. Sie forschten weiter. Dann fanden sie eine Mögliche Ursache. Einen Selenmangel. Dies kommt häufiger bei Vollblütern vor. Ganz selten bei normalen Warmblütern. Aber wie so oft. War bei mir und meiner Stute nichts normal. Echelle bekam täglich ihr flüssiges `Selen´. Nie wieder trat ein Kreuzverschlag auf.

 

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Unsere drei Pferde kamen jeden zweiten Tag im Winter nachmittags auf Paddock. Da unser Bauer nicht genügend Auslauf hat, damit alle Pferde jeden Tag raus können. So auch am Tag des 9.2. vor fünf Jahren (2005). Ich wollte mir einen entspannten Nachmittag auf der Couch machen. Meine Pferdchen waren ja beschäftigt. Doch es sollte ganz anderes kommen. Eine Stallkollegin rief mich an, du deine Echelle, inzwischen 15 Jahre, steht auf drei Beinen auf dem Paddock! So schnell ich konnte fuhr ich zum Stall. Tatsächlich, da stand sie und hielt die ganze Zeit ihr rechtes Vorderbein hoch. Sofort rief ich meinen Tierarzt an. Er kam und untersuchte mein Mädchen. Als er das Hufgelenk bewegte stöhnte sie auf. Tja, auch Gesichter können Bänder sprechen. Mir war klar, das es ernst war. Leider hatte er sein Röntgengerät nicht mit dabei. Echelle bekam eine Schmerzspritze und schleunigst fuhr er los um das Gerät zu holen.

Doch wenn man so steht und wartet können Minuten ewig dauern. Ich ließ Echelle nicht eine Minute aus den Augen. Walencia, (Wali) unserer zweiter Friese, holten wir vom Paddock runter. Nur Warzawa sollte bleiben, damit Echelle nicht unruhig wird. Mein Tierarzt kam, röntge und fuhr zum Entwickeln wieder in seine Praxis. Ich dachte, die Zeit geht gar nicht um. Als er dann wieder kam, wusste ich mit einem Blick in sein Gesicht was Sache war. Sie hatte sich einen Trümmerbruch zu gezogen. Keine Chance! Ich konnte mir das Röntgenbild vor dem Scheinwerfer seines Autos ansehen. „Nicole, es gibt keine andere Möglichkeit“ waren seine Worte. „Dann jetzt sofort“. Ich wollte es so schnell wie möglich hinter mir bringen. Mittlerweile war mein Mann an meiner Seite. Unser Bauer schickte unsere Stallkollegen weg, da alle bei uns waren um uns zu unterstützen. Er nahm Warzawa ans Halfter. Ich stand bei meinem Stütchen und hatte sie am Strick. Mein Tierarzt gab ihr die erste Spritze. Ganz ruhig legte sich Echelle hin. Für mich lief alles wie ein Film an mir vorbei. Als die zweite Spritze  gesetzt war, ging alles ganz schnell. Vorbei!!! Mein Mann nahm mich irgendwann mit. Wie lange ich neben Echelle gesessen habe, weiß ich bis heute nicht. Ich ging zu meinem Bauern „Lass Echelle bitte nicht im Regen liegen.“ Daran kann ich mich erinnern. Wir fuhren nach Hause. Ich ging an den Schrank und musste einen Schnaps trinken.

 

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Die nächsten Tage gingen an mir vorbei, als wenn ich im Nebel lief. Wie in Watte. Ich räumte ihre ganzen Sachen in den Keller. In die hinterste Ecke. Ganz weit weg. Nur nicht daran erinnert werden. Die Hufeisen hatte mein Bauer abgemacht. Auch die legte ich in die Garage. Beachtete ich nicht. Die Schweifhaare, hatte mir eine Stallkollegin gegeben. Sie hatte sie abgeschnitten als ich weg gegangen war. Am schlimmsten war die Zeit wohl für Warzawa. Ich war nicht in der Lage dazu, irgendetwas mit ihr zu machen. Ich ging zum Stall und stellte sie fast sechs Wochen lang nur in die Führanlage. Weder longieren, ganz zu schweigen sie zu reiten. Ich konnte es einfach nicht. Für mich verging die Zeit nach Echelle`s Tod langsam. Immer wieder erinnerten die kleinsten Dinge an sie. Aber da musste ich jetzt durch.

 

Irgendwann bin ich dann angefangen mit Kutsche zu fahren. Den Gedanken, dass ich mich mal komplett mit einem Friesen anfreunde, kam mir bis dahin immer noch nicht. Ich wollte wieder ein „normales“ Warmblut. Nicht sofort! Bewusst gesucht hab ich eigentlich nicht. Aber dann fand ich eine neue kleine Stute. In der Zwischenzeit hatte ich Warzawa geritten. Nicht mit viel Begeisterung, aber ich hab´s halt gemacht. Mein neues Pferd war eine dunkelbraune achtjährige Zuchtstute, "Baronesse". Sie war ihr Leben lang nur in der Zucht eingesetzt worden. Nie angeritten worden. Der damalige Besitzer wollte sie aus der Zucht nehmen, da sie in den letzten Jahren verfohlt bzw. Zwillinge bei Fuß hatte. „Nimm sie mit. Klappt es nicht, bringst du mir sie wieder. Ansonsten krieg ich das Geld“. Das war für mich ein gutes Angebot.

 

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Langsam gewöhnte ich sie an mich. Ich ging mit ihr spazieren. Putzte sie Stunden lang. Nur damit sie Vertrauen fasste. Nach drei Wochen fing ich an eine Trense drauf zu machen. Weiter ging es mit dem Longiergurt. Sie war immer erst aufgeregt. Beruhigte sich aber relativ schnell. Das Longieren klappte wirklich gut. Auch den Sattel ließ sie sich gefallen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ein achtjähriges Pferd so schnell an all das ran zu führen. Zum Anreiten fuhren wir zu einem Profi. Der wirklich nur Pferde anreitet bzw. junge Pferde ausbildet. Wie ein Flummi (Gummiball) saß er auf dem Pferd. Bockte Baronesse, sprang er ab, aber genau so schnell saß er wieder drauf. Dreimal fuhren wir zu ihm. Dann kam der Zeitpunkt, wo ich selber ran musste. Meine Beine waren wie Pudding. Egal! Rauf! Mein Mann hatte sie erst noch an der Longe. Man weiß ja nie. Doch diese Angst ließ wirklich schnell nach. Ich fühlte mich wohl auf ihr. Täglich bewegte ich Baroness. Im Gelände war sie eine Lebensversicherung.

links "Baronesse" -  rechts "Warzawa"

 

Doch mit der Zeit kamen die Probleme. Je mehr ich von ihr wollte, desto nervöser wurde sie. Sie fing an mit dem Kopf zu schlagen. Rannte einfach los. Nicht mehr zu kontrollieren. Ich holte mir wieder Hilfe. Ich gab sie für vier Wochen zu Beritt. Das Schlimmste, was ich einem Tier angetan habe!!!! Dort wurde sie so weit gebracht, dass ich sie nicht mehr reiten konnte. Sie rannte unkontrolliert mit mir los. Und ich bekam Angst! Es musste eine Entscheidung getroffen werden. Ich entschloss mich dazu, Baroness nach nur fünf Monaten zu verkaufen. Sie wurde von einem Freizeitreiter gekauft nicht weit von mir. Oft höre ich noch von ihm und wie glücklich er mit Baroness ist. Regelmäßig geht er ins Gelände. Die Beiden haben sich gesucht und gefunden. Ich war leider nicht der richtige Reiter für Baroness.

links "Warzawa"

 

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Da war ich wieder genau so weit, wie vor einem halben Jahr. Zwei Friesen standen in den Boxen und wollten bewegt werden. Doch ich konnte keine Begeisterung, weder für die Eine noch für die Andere finden. Damit ich nicht ganz aus der Übung kam ritt ich Warzawa. Walencia war mittlerweile vier Jahre alt. Eingefahren war sie schnell. Unsere erfahrene Warzawa daneben gespannt und schon war unser Zweispänner fertig. Leider verstand der Mitbesitzer nicht, dass man so einen jungen Friesen zwar fahren kann, aber nicht Stunden lang reiten kann. Doch er sattelte sie und ab ging´s. Wenn sie wieder kamen, war aus unserem schwarzen Friesen, der erste weiße Friese geworden. Klatschnass verschwitzt mit weißem Schaum überzogen. Ihm war nicht klar zu machen, dass das nicht gut für das Pferd ist. Man konnte im Schritt sehen, dass sie ihre Hinterhand nicht mehr mit bekommt. Den Rücken drückte sie weg. Da war jeder Rat teuer! Was tun?

„Sollen wir Walencia nicht ganz kaufen?“ eröffnete mir mein Mann eines Tages. Wie bitte? Damit wäre der Traum von einem neuen Pferd für mich ausgeträumt. Was sollte ich dazu sagen? Ich erbat mir Zeit zum überlegen. Aber konnte ich nein sagen? Konnte ich das auf Dauer Walencia antun? Man konnte sehen, das es ihr nicht gut ging.

 

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In dieser Zeit fand in Gahlen (NRW) ein Friesentag statt. Zum Abendprogramm wollte mein Mann gerne hin. Das Programm war wirklich richtig gut! Zwei Quadrillen waren dort präsent. Mensch auf so was hätte ich auch Lust. Das sagte ich meinem Man allerdings noch nicht. Weil dann gab es wahrscheinlich kein zurück mehr. Doch ich wollte doch Turniere reiten! Und nicht nur Kringel zu Musik!?! Oder doch? Geht das eventuell auch mit einem Friesen? Viel länger konnte ich meine Entscheidung nicht raus zögern. Gut, ich gab nach und wir zahlten den Mitbesitzer von Walencia aus. Somit war mein Traum aus geträumt von einem schicken Dressurpferd. Ich stürzte mich in die Arbeit. Denn wenn ich irgendetwas will, dann tu ich alles dafür. Und wenn ich mich für etwas entscheide, dann steh ich dazu. Ich stand hinter meiner Entscheidung.

 

links Walencia (Wali)  -  rechts Warzawa (Wasi)

Erstmal sollte Warzawa in das große Einmaleins der Dressur eingewiesen werden. Mensch das klappte besser als ich dachte. Immer versuchte sie mir alles recht zu machen. Noch nie hatte ein Pferd so etwas für mich getan. Ich fuhr einmal die Woche zum Unterricht. Mein alter Reitlehrer wollte mich weiter trainieren. Andere Reitlehrer wollten mich nicht „Doch nicht mit einem Friesen!!!“ Das war für mich das erste Mal, das ich merkte, das Friesen in der „normalen“ Reiterwelt nicht gut ansehen wurden. Na gut, ich war bis vor ein paar Monaten nicht besser. Doch jetzt hatte ich meine Meinung geändert. Nicht ganz freiwillig! Aber mit mehr Begeisterung!!! Ich hatte Blut geleckt!!!

 

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Natürlich kümmerte ich mich auch um Walencia. Doch bei ihr musste ich bei Null anfangen. Ich longierte sie täglich, damit der Rücken sich wieder erholte. Später sollte ich erfahren, dass das der richtige Weg war und für sie ist. Doch Walencia blieb in der ganzen Zeit immer mein Stiefkind. Ich konnte nie eine richtige Beziehung zu ihr aufbauen. Sie war ein Anhängsel. Sie war einfach nur da!

Im Gegensatz dazu Warzawa! Sie war meine absolute Nr. Eins. Keine Rede mehr von einem edlen Dressurpferd. Denen wollte ich es zeigen. Das erste Turnier stand an. Eine A-Dressur. Man war ich aufgeregt. Doch schon auf dem Abreiteplatz war es um meine Sicherheit geschehen. Mitleidige Blicke. So nach dem Motto, konntest dir kein gescheites Pferd kaufen? Als ich dann in die Prüfung  rein kam sah ich an den Blicken der Richter, wärste doch mal zu Hause geblieben. Warzawa machte ihr Ding wirklich gut. Klar nicht perfekt, aber das hatte ich nicht von ihr erwartet beim ersten Mal. Natürlich war die Note, wie ich es erwartet hatte. Nicht gut! Noch einmal fuhr ich in dieser Saison los. Natürlich lief es da nicht besser! Doch ich glaubte immer noch an meinen Friesen!!!

 

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Mittlerweile hatte ich im Internet eine Showgruppe aus dem Münsterland gefunden. Ich schickte per Mail ein paar Fotos. Ich sollte zum Vorreiten kommen. Der Chef der Gruppe stand während der ganzen Zeit in der ich ritt mit seiner Kamera in der Halle und machte hunderte von Bildern. Als ich fertig war, kam er zur mir hin und meinte, weißt du überhaupt, was du für ein Hammerpferd hast??? Au, Mann, war ich stolz. Endlich jemand, der Warzawa toll fand. Ich fuhr regelmäßig zu ihnen zum üben.
Der erste Auftritt 2005 stand an. Ich sollte zusammen mit einem Lusitano im Pferdemuseum Hippomaxx im Allwetterzoo Münster auftreten. Zur Musik von Frank Sinatra „New York, New York“ sollte ich in ganz weiß gekleidet reiten. Ich besorgte mir einen weißen Frack, einen weißen Zylinder. Weiße Reithose hatte ich ja noch. Meine Mutter nähte mir aus weißen Stoff Stulpen für meine Stiefel. Sah wirklich gut aus.
 Zusammen mit meinem Mann und meiner Mutter fuhren wir sonntags zum Auftritt. Es war tolles Wetter und der Zoo war gut besucht. Die Arena im Pferdemuseum war voll bis zum letzten Platz. Warzawa und ich mussten als erste rein. Ohne mit der Wimper zu zucken ging sie rein. Sie machte ihr Ding, als hätte sie nie was anderes gemacht hätte. Auch wusste ich nach diesem Tag, die Show ist deins. Doch in dieser Gruppe war ich der einzige Friesenreiter. Die Anderen waren alles Spanier. Ich merkte schnell, dass das nicht die richtige Gruppe für mich war.

 

Ich trennte mich von der Gruppe. Erstmal hatte ich keine neue Gruppe. Aber das war mir egal. Denn ich trainierte sehr ehrgeizig für meine nächsten Turniere. Doch ich konnte machen was ich wollte, kein Richter sah mich in den vorderen Plätzen mit Schleifen.

 

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Eine liebe Bekannte, die regelmäßig mit ihrem Hund an unserem Stall vorbei kommt, sprach mich eines Tages an, das sie in einer Zeitschrift des DFZ (Deutschen Friesen Zuchtverband) einen Artikel über eine Quadrille gelesen hätte. Sie würden noch gut ausgebildete Paare suchen, die Lust am Quadrille reiten haben. Die Gruppe trainierte in Unna (NRW) auf der Anlage von Harry Weidekat. Ich ließ mir die Telefonnummern geben. Kurze Zeit später telefonierte ich mit Margit Weidekat. Wir tauschten die Mailadressen aus. Da sich wohl noch mehr Reiter gemeldet hatten, sollte ein gemeinsames erstes Training stattfinden.

Die Mail kam. Ich machte mich an einem Mittwoch mit meinem Mann und Warzawa auf den Weg nach Unna. Da mir alles doch sehr unsicher war, wollte ich, dass mein Mann mich erstmal begleitet. Nicht, das ich Probleme mit fremden Leuten habe, aber ich war und bin kein Held mit dem Anhänger zu fahren. Bis heute weiß ich, das an diesem besagten Mittwoch, das Wetter fürchterlich schwül und heiß war. Gewitter waren für den Abend an gesagt. Auf dem Hof der Familie Weidekat war schon ein Großteil der Gruppe. Alle waren und sind total gut drauf. Es wurde schon am ersten Abend total viel gelacht. Ich fühlte mich total wohl. Auch mein Mann kam mit den Mädels gut zurecht. Und dann ging es ans trainieren. Erstmal ohne Pferde. Zu Fuß. Meine Güte! Wer sollte sich denn so was merken. Rechts, links, gerade aus, kämmen, um nur ein paar Figuren zu benennen. Es wurde nicht wirklich viel hinter einander her bzw. gerade aus geritten. So schnell kamen die Figuren hintereinander, dass ich gar nicht mehr wusste, wo ich hin musste. „Das wirst du nachher noch traben!“ Ja, nee, ist klar. Red du mal! Ich dachte, das lernst du nie! Gut, so kam es auch. Irgendwann stand alles quer in der Halle. OK, es war ja auch das erste Training. Zum Schluss kamen wir dann mit Ansage unseres Trainers doch einmal Unfallfrei durch. Wir setzten uns noch mal danach auf ein Kaltgetränk zusammen. Das nächste Training war für in zwei Wochen festgesetzt. Oh, ich freute mich jetzt schon drauf.

 

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Wir machten uns auf den Heimweg. Mittlerweile hatte es angefangen mit dem Gewitter. Wir fuhren zügig los, da es mittlerweile doch recht spät war. Wir kamen bis kurz vor Recklinghausen (NRW, 30 km vor zu Hause). Da bemerkten wir, dass uns ein Reifen geplatzt war am Anhänger. Borr, war ich froh meinen Mann bei mir zu haben. Wir fuhren in Schrittgeschwindigkeit weiter. Mein Mann rief unseren Bauer an, ob er uns in Recklinghausen treffen könnte und einen Reifen bringen könnte. Wir hatten zu unserem Glück! keinen Ersatzreifen dabei. Der Treffpunkt wurde schnell bei Mc Donalds vereinbart. Wir waren vor ihm da, das Gewitter knallte uns um die Ohren. Als dann unser Bauer kam, wurde klar, das Warzawa abgeladen werden musste. NA, wer hat schon mit einem Pferd bei Mc Donalds auf dem Parkplatz in Mitten von Recklinghausen gestanden??? Ein Gewitter, das nicht ohne war. Mit zwei Männern, die den Platten Reifen wechselten und Zuschauern, die nicht mit Witzen sparten "Wie wäre es jetzt mit Mc Drive? Hoffentlich passt du unter die Absperrung?" Ha, selten so gelacht. Ich wollte nur noch nach Hause. Da kamen wir dann auch irgendwann so um Mitternacht an. Insgesamt waren wir fast sieben Stunden unterwegs, mit Training. Na wenn das immer so lange dauert. Herzlichen Glückwunsch!

 

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Ich fuhr in dem Sommer 2006 jeden zweiten Mittwoch nach Unna. Unsere ersten Auftritte kamen langsam auf uns zu. Auch fuhr ich zu den verschiedensten Turnieren. Alles wiederholte sich, wie in dem Jahr davor. Keine Schleife, keine Platzierung, aber ganz viele abschätzende Blicke. Egal! Die konnten meinen Ehrgeiz nur noch steigern. Ich glaubte so an mein Pferd. Unser Tag würde kommen.

 

Anfang Oktober fand in Goch (NRW, südlich von Kleve) ein Friesenturnier statt, bei dem in der Mittagszeit ein Showprogramm unterhalten sollte. Unsere Gruppe war mit vier Reitern vertreten, unter anderem, ich. Es sollten die neuen Reiter Erfahrungen sammeln. Denn kurz nach dieser Veranstaltung sollte zum ersten Mal in 2006 in der Westfalenhalle Dortmund die Messe „Hund und Pferd“ eröffnet werden. Wir waren mit unserer Quadrille dort gebucht, da der DFZ dort auch mit einem Stand vertreten war.

Gewonnen!

Da Goch von Haltern aus nicht unbedingt um die Ecke liegt, dachte ich mir, ach, die A-  Dressur kannste ja mal reiten. Vielleicht läuft es ja da besser. Mit einer Freundin fuhr ich früh morgens los. Aufgeregt war ich nicht, da waren ja nur Friesen. Ich brauchte mir also keine Sorgen machen, abschätzende Blicke zu bekommen. Doch wie komisch! Auch da kam dann die Frage, ob mein Friese reinrassig sei, da Warzawa mit ihren 1,78 m nicht in das Bild eines normalen Friesen passte. Ich hatte so den Kaffee auf!

 

Zum Glück war ich laut Startfolge, in der ersten Abteilung als drittes Pferd dran. Die Tribüne war gut besucht. Alle redeten und zeigten auf mein “Mammut“. So, los ging`s. Es war eine richtig gute Vorstellung. Kein Fehler. Sicher lief sie durch die Prüfung. Aufmarschieren. Warten bis die Richter die Noten verlesen. Die Noten der beiden anderen waren mir egal. Dann kam ich. Note 7,3! Wie bitte? Ich? Geschafft. Ein Blick zu meiner Freundin und es war um mich geschehen. Die Tränen standen mir in den Augen. Ich freute mich riesig. Die nächsten Abteilungen wartete ich ab. Kein Pferd kam an unsere Note ran. Langsam wurde mir klar. Ich könnte diese Prüfung gewonnen haben!?! Noch eine Abteilung! Warten! Gewonnen!!! Juhu! Das erste Mal, das unsere Leistung gewürdigt wurde!!! Alles was an diesem Tag noch kommen sollte war mir egal. Ich freute mich zwar noch auf den Auftritt mit den anderen, aber das trat in den Hintergrund. Ich hatte mit meiner Warzawa gewonnen. (Noten zählen ab 5 aufwärts 5,1 – 5,2 – 5,3 usw.; 7,3 war Spitze!!!)

Der Auftritt war eigentlich nur noch das I-Tüpfelchen. Zu viert klappte es richtig gut. Kein Verreiter! (Mensch mit Pferd) Alle Figuren passten! Dortmund konnte kommen.

 

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Eine Woche nach Goch ging es dann auf die große Showbühne. Prämiere des Piraten-Show-Bildes „Fluch der Karibik“, beim ersten Mal in der Westfalenhalle Dortmund die Messe „Hund & Pferd“ in 2006 Zur schwarzen Reithose, kam eine weiße Rüschenbluse, roter Gürtel und rotes Kopftuch. Der Säbel (Spielzeug) wurde eingesteckt. Große Ohrringe rein. Schwarze Augen gemalt. Wir sahen echt gut aus. Die Atmosphäre war richtig schön. Schon beim abreiten konnten uns die Zuschauer beobachten.

 

Meine Welt! Ich war angekommen. Bei Warzawa hatte ich das Gefühl, sie wusste, um was es ging. Wie ein alter Showhase marschierte sie durch die Show. Sie trabte um ihr Leben. Das war`s!!! Ich war so Happy! Drei Tage hintereinander traten wir jeden Tag zweimal auf. Klar am dritten Tag war mein Friese schon müde. Aber jede Minute die sie im Ring war, gab sie ihr Bestes. Danach gab`s mächtig viel Erholung für Warzawa. Ausreiten, Wiese, was so ein Pferdeherz halt erfreut. Ich ließ ihr erstmal eine richtig lange Pause.

 

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Im Januar fing ich wieder mit dem Training an. Auch zum Unterricht fuhr ich wieder. Mein Ziel für dieses Jahr war auf einem normalen Reitturnier eine Schleife mit bekommen. Egal welche, egal welche Note. Einfach nur dabei sein!

Doch bevor es zum Turnier ging stand im März 2007 in Essen die „Pferdeweltmesse Equitana“ für 9 Tage an. Ich auf der Equitana. Toll! Doch mein Start war erst noch in Frage gestellt. Zwei Wochen bevor die Messe begann, wollte ich mit Warzawa spazieren gehen. Komisch warum trat sie hinten so anders. Ich ahnte böses. Lahm! Keine Schwellung. Nichts zu sehen. Das konnte doch nicht war sein! Welcher Reiter hat schon die Chance auf der Equitana zu reiten. Und dann das. Ich rief sofort in der Klinik an. Abends um zehn kam meine Tierärztin. Sie vermutete das Warzawa sich beim rum toben auf dem Paddock versprungen hatte. Sollte es morgen nicht besser sein, sollte ich in die Klinik kommen zum röntgen. Warzawa bekam Spritzen und einen kühlenden Verband. Am nächsten Tag sah das ganze besser aus. Ich sollte sie Schritt führen und das Bein kühlen. Brav tat ich alles. Ich wollte doch so gerne mit reiten. Nicht um jeden Preis. Die Gesundheit geht mir über alles. Doch nach einer Woche gab mir meine Tierärztin Entwarnung. Ich konnte langsam anfangen zu reiten. Für den Samstag, zur Eröffnungsfeier und zum späteren Auftritt sagte ich ab. Ich wollte nur den Sonntag reiten.

 

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Der Sonntag kam. Wir standen vor dem Eingang. 6000 Zuschauer! Und die kleine Nicole mit ihrer Warzawa mitten drin. Der Vorhang ging auf. Rein. Es gab kein zurück. Bis zur Hälfte klappte alles hervorragend. Doch dann passierte es. Wir ritten jeweils vier Reiter hinter einander her auf der Mittellinie. Die ersten Reiter bogen bei „X“ (Hufschlagfigur-Buchstabe, trennt die Hallenmitte so, wie bei der Zahl 8 die Mitte) jeweils nach rechts bzw. nach links ab. Und es sollte so sein, das, wenn sie am Hufschlag (Reitspur an der Reithallenbande, Mitte der kurzen Seite bei „A“ und/oder „C“) ankommen, beide Abteilungen in die gleiche Richtung abbogen (geradeaus durch die Länge der Halle geritten, nicht diagonal).

 

 Das passierte nicht! Der eine bog nach „C“ ab, der andere nach „A“! O Gott. Ich ritt an zweiter Stelle. Was mache jetzt? Warum tut sich nicht der Boden auf? Die beiden ritten wieder auf die Mittellinie. Das gleiche Spiel von vorne. Wieder ritten sie am Hufschlag in verschiedene Richtungen. Ich war völlig hilflos. Tapfer, der Verzweiflung nahe, wie sollten wir aus der Nr. wieder raus kommen, ritt ich hinterher??? Doch aller guten Dinge sind Drei. Sie probierten es noch einmal Oh Wunder, sie bogen beide nach „A“ ab. Geschafft! Gut das wir eine endlos Schleife unserer „Fluch der Karibik“ Musik hatten. Aufmarschieren und nur noch raus. Die nächsten Auftritte waren immer wieder gespickt von kleinen Fehlern. In der Hoffnung, dass sie nicht großartig auf gefallen sind, ritten wir am zweiten und letzten Wochenende erneut in den Showring.

 

Am Dienstag, der immer unter dem Motto des Fahrertages steht, konnte mein Mann sein können als Fahrer unter Beweis stellen. Zum ersten Mal konnte Walencia ihr Talent als Showpferd zeigen. Zwei Mal fuhren sie mit einigen anderen Friesengespannen vor das Publikum. Unser Zweispänner zeigte sich sicher. Man konnte zwar sehen, das Walencia immer wieder in die Ränge schielte. Doch Warzawa an ihrer Seite brachte sie durch diese Aufgabe.

 

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Walencia war durch ihr frühes Anreiten immer noch recht schwierig. Sie zeigte uns durch ihren schlechten Schritt und wegdrücken des Rückens, das sie Schmerzen haben musste. Was sollte ich tun? Wie so oft an Reitställen, jeder hat „den“ Tipp für dich. Zwar meinten es alle immer nur gut, aber das half mir nicht weiter. Ich entschloss mich, obwohl ich eigentlich sehr septisch dieser Sache gegenüber stand, eine Physiotherapeutin hinzu zu ziehen. Keinen normalen Arzt. Ich wollte keinen, der mir nach der Behandlung sagt, dass mein Pferd drei Tage angebunden in der Box stehen müsste. Ich fand eine sehr gute Therapeutin in der Nähe von Köln. Alle zwei Wochen kam sie in den Raum Recklinghausen (NRW), um dort zu behandeln. Was ich sehr gut fand, war, dass sie ebenso Tierärztin war. Sie nahm sich viel Zeit. Gleichzeitig führte sie eine Akupunkturbehandlung durch. Sie bestätigte meine Vermutung, das Walencia zu früh an geritten worden sei. In vier Wochen brauchte sie eine weitere Behandlung. OK?! Die kann ja viel erzählen. Wie sie da auf ihrem Block stand, damit sie dem Pferd von oben Blockaden lösen kann. So ein bisschen drücken hier, etwas schieben da. Das sollte helfen? Drei Tage Pause, dann mit longieren anfangen. Sechs Tage nach der Behandlung konnte ich wieder reiten. Und Walencia lief wirklich besser. Schon beim Longieren hatte ich das Gefühl, das sie lockerer lief. Aber das Auge konnte ja auch täuschen. Doch beim Reiten täuschte mich nichts. Es war wirklich besser. Nach vier Wochen kam meine Therapeutin noch mal. Sie war mit dem Verlauf zufrieden. Nie hätte ich gedacht, dass so eine Behandlung, wenn man so was so nennen kann, so eine Wirkung hat. Ich war wirklich davon an getan. So fing ich wieder bei Null an. Aber es musste ja mal besser werden.

 

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Im Sommer 2007 war mein erstes Turnier in Senden (NRW, südlich von Münster). Ein Freitagnachmittag. Ekeliger Nieselregen. Fahr ich, oder fahr ich nicht? Bei Regen und zu heißem Wetter hatte ich mir geschworen nicht zu fahren. Aber wie ist das schon mit den guten Vorsätzen. Ich fuhr, ganz alleine. Im Grunde kein Problem, Warzawa ging ohne Schwierigkeiten auf den Anhänger. Fertig machen ging auch alleine. Auf dem Abreiteplatz traf mich wieder die gewohnte Ablehnung. Zwar kam von dem ein oder anderen, es wäre zwar ein schöner Friese, aber ein Turnier? Auch sprach mich mein alter Reitlehrer an. Von ihm kannte ich seine Einstellung zum Friesen. Auf ein nettes Wort brauchte ich nicht zu hoffen. Er schaute mir beim Reiten zu. „Wenn du dem das Gemüse (Fesselbehang) von den Füßen abmachst, ist es ja ein tolles Pferd“, war sein Kommentar. Schönen Dank auch. In der Hoffnung, dass er meine Prüfung sah, ritt ich, nach dem Motto, jetzt erst recht. Immer wieder sah ich meinen Mitstreitern zu.  

  Ich dachte, keine Chance. Auch diese Prüfung lief sicher. Keine Fehler! Wir zogen nach dem Aufmarschieren zu den Richtern vor. Ich dachte mich trifft der Schlag. 7,3!!! Ich hatte mein Ziel für die Saison schon erreicht. Keiner war da der meine Freude mit mir teilen konnte. Handy!? Im Auto! Ab ging`s. Erst meinen Mann. Dann meine Freundin. Beide wussten, wie wichtig das für mich war. Endlich hatte ich den anderen tollen Dressurreitern gezeigt, dass ein Friese auch Dressur gehen kann. Es ging mir nicht um den Preis. Es ging mir ums Prinzip. Ich hatte es ihnen gezeigt. Bis zur letzten Abteilung führte ich. Das konnte doch nicht sein. Ich konnte doch nicht gewonnen haben? Doch ein Pferd bekam 0,1 Punke mehr (7,4)! Zweite! Ich ritt in die Platzierung. Ich kam aus dem Grinsen nicht mehr raus. Mein alter Reitlehrer stand am Kuchenzelt und hielt seinen Daumen hoch. Ich hatte es ihm gezeigt.

 

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Hier und da ging es für mich an den Wochenenden los. Bei zehn Starts in der Saison, war ich fünf Mal platziert. Ich hatte es allen gezeigt. Mein Herz machte Purzelbäume.

So tingelte ich von den Turnieren zu den Auftritten zusammen mit dem Friesen-Carousel.

Doch die Auftritte haben für mich immer noch absolute Priorität. Das Publikum verzeiht dir kleine Fehler, die Turnierrichter nicht. Gerade nicht einem Friesen. Der muss immer einen Taken besser sein. Doch auch dies ist immer noch eine Herausforderung.

Dortmund 2007 - 2. Hund & Pferd

 

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Vor zwei Jahren; 2008; fuhren wir zusammen mit unseren Friesen auf die Nordseeinsel Borkum. Reiten am Strand. Welcher Reiter wünscht sich das nicht mal. Das war so richtig klasse. Pferd und Mensch konnten mal so richtig die Seele baumeln lassen. Wir hatten tolles Wetter. Ich kann es nur jedem empfehlen mal gemacht zu haben. Wir wollten ein Jahr später wieder fahren und die Kutsche mitnehmen. Leider kam etwas dazwischen. Dazu später!

Nach der Erholung gingen Warzawa und ich wieder tapfer an die Arbeit. Mittlerweile traute ich mich Turniere zu nennen, wo im Vorfeld klar war, das die Konkurrenz ziemlich stark ist. So kam es das ich an einem Freitagnachmittag zum Turnier nach Gelsenkirchen-Scholven (NRW) fuhr. Adresse ins Navi eingegeben und los ging´s, mal wieder alleine. Tja, wenn man sich auf die Technik verlässt. Völlig falsch lenkte er mich zwar an die richtige Adresse, aber so was über Umwege. Das Ergebnis war, das ich natürlich viel zu spät kam. Sattel und Trense drauf. In die Klamotten. Ab auf den Abreitplatz. Da waren auch meine Vereinskollegen und hatten mächtig viel Spaß darüber, wie chaotisch ich mal wieder erscheine. Egal! Ich hatte noch etwas Zeit. Die Blicke der Zuschauer haben sich für mich mit der Zeit in Gleichgültigkeit geändert. Man kannte die blonde Reiterin mit ihrem Friesen. Die zwar immer ab und zu platziert war, aber mehr halt nicht.

Endlich war ich dran. Und alles klappte fast zu perfekt. Aufmarschieren und raus reiten. Im raus reiten wurden die Noten vorgelesen. Jetzt war ich dran. 7,8!!!!!!!!  Nein, das konnte nicht sein?! Egal wer da auch stand. Meine Freudentränen konnte und wollte ich nicht zurück halten. Meine Vereinskollegen kamen um mich in den Arm zu nehmen. „Wo kommt denn der Friese her?“ hörte ich hinter mir. Es war mir egal. Ich kann bis heute meine Freude nicht in Worte fassen. Jetzt nur noch warten bis alle Abteilungen fertig sind. Und dann? Gewonnen! Wenn ich das heute noch schreibe kommen mir immer noch die Tränen. Ich war so glücklich! Wir hatten es ihnen gezeigt.

Bei der Siegerehrung war ich so stolz auf mein „Mammut“. „Haben sie Verwandte in Warschau?“ fragte mich der Richter. “Wie bitte?“ ich sah ihn so erstaunt an. Auf so eine Frage war ich nun wirklich nicht gefasst. „Ja ihr Pferd; Warzawa; heißt doch übersetzt Warschau.“ Ach ja? Das wussten wir bei der Namensgebung nicht. Auch ganz originell. Vorne reiten bei der Siegerehrung! Ich war so stolz auf uns!!

 

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Gahlen (NRW) 2008

Dortmund 2008 - 3. Hund & Pferd

Friesenquadrille Harley Davidson

Danach war nur noch relaxen angesagt. Für das Jahr 2008 wurden sämtliche Turniere gestrichen. Nur noch einige Auftritte mit der Quadrille. Mehr nicht! Ich ließ sie einfach Pferd sein. Jedes Stoppelfeld war in diesem Spätsommer unseres.

Das war eine so schöne Zeit.

 

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Wie vorhin schon erwähnt, war Warzawa und mir das Glück im Jahr 2009 nicht holt. Anfang April fing sie an zu lahmen. Wir dachten erst an einen Einschuss (Eindringen von Bakterien in eine Wunde im unteren Teil der Pferdebeine mit Entzündung). Aber nach einer Woche war es immer noch nicht besser. Ich machte einen Termin in der Pferdeklinik in Warendorf bei meiner Freundin. Es wurde abgespritzt (in der Klinik von unten nach oben am Bein. Jedes Gelenk wird betäubt um zu sehen, ab wann das Pferd lahmfrei ist). Bis wir langsam in den Sehnenbereich kamen und es nicht gut aussah.

Fesselträgerschaden (Entzündung des Fesselträgers) hinten links. Mindestens drei Monate Pause. Warzawa konnte zwar auf die Wiese, aber das war´s dann schon. Nach drei Monaten fuhr ich zur Kontrolle wieder hin. Keine Besserung. Man riet mir, noch mal zwei Monate zu warten. Dann würde nur noch eine OP helfen. Wir setzten alle Hoffnung in diese acht Wochen. Aber sie halfen nicht. Wir mussten sie operieren lassen. Als ich sie zur Klinik brachte klärte man mich über die ganzen Risiken auf. Ich dachte, Warzawa sehe ich nie wieder.

Am nächsten Tag war ich so unter Strom. Ich konnte es nicht abwarten, bis endlich die Nachricht kommt, alles ist gut. Warzawa steht. Aber es kam nichts. Was kam? Ein Bild wo Wasi auf dem OP-Tisch liegt. So ist wohl der Humor von Tierärzten! Kurz danach kam der erlösende Anruf. Alles gut! Warzawa steht wieder. OP ist gut verlaufen.

Wir konnten sie drei Tage später abholen. Drei Monate Schritt führen. Jeden zweiten Tag drei Minuten mehr. Strikt haben wir uns daran gehalten. Ende Dezember 2009 Abschlusskontrolle. Langsam anfangen. Totale Erleichterung! Bis heute trainieren wir sie ganz vorsichtig an. Bis Mitte September 2010 muss sie halten, dann ist das eine Jahr nach der OP vorbei. Bis dahin schön auf mein Mammut aufpassen.

 

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In der Zeit wurde Walencia (Schwester von Warzawa) zu meiner Nr. 1. Als wenn sie gewusst hätte, das dies ihre Chance ist sich zu beweisen. Mir es zu beweisen. Ich war so skeptisch. Ich hätte nie gedacht, dass sie so nervenstark ist. Ich fing an, sie mit zum Unterricht zu nehmen, so das ihre Rückenmuskulatur richtig auf gebaut wurde. Die ersten Trainings mit der Quadrille. Sicher trug sie mich durch die Figuren. Wer hätte das gedacht? Ich nie!!

 

  Walencia in Unna 2009 beim DFZ auf der Friesenpferde-Zuchtschau

 

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Vor dem ersten Auftritt auf der Trabrennbahn in Gelsenkirchen (NRW) ging mir ganz schön die Düse. Doch auch da zeigte sie mir, was für ein tolles Pferd sie ist. Nach und nach wurden die Auftritte größer. Und Walencia immer mutiger. Mit jedem Tag erschlich sie sich mehr in mein Herz!

 

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Dortmund  4. Hund & Pferd  2009

Friesenquadrille DFZ West

Walencia meine Nr. 1

 

 

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Das Jahr 2010 begann mit einer Überraschung

 

  Walencia in Unna 2009

www.pferderegion-muensterland.de

 

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Impressionen

 

 

 

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Heute bin ich überglücklich zwei so tolle Pferde zu haben. Wer mir noch vor sechs Jahren gesagt hätte, du wirst nur noch Friesen reiten, hätte ich ihm für kein Geld der Welt geglaubt. Heute kann ich mir nichts anderes mehr vorstellen. Ich würde nie mehr ein anderes Pferd haben wollen, als einen Friesen. Ich kann´s nur jedem Mal empfehlen, probiert es aus und ihr versteht mich!!!!

 

 

© Text / Entwurf / Bilder - Nicole Kestermann - April 2010

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Wenn Sie Spaß am lesen hatten, dann freuen Sie sich auf die nächste News Geschichte über die Dülmener Wildpferde im Juni 2010. Im  "News & Archiv"  finden Sie alle Geschichten schnell wieder.

 

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